TOMASZ SKARUZ

        • deutsche Gedichte

        • zum Auswahl drei deutsche Gedichte zum Lernen :-)

           

          Abschied

          Zu lieblich ist’s, ein Wort zu brechen,
          Zu schwer die wohlerkannte Pflicht,
          Und leider kann man nichts versprechen,
          Was unserm Herzen widerspricht.

          Du übst die alten Zauberlieder,
          Du lockst ihn, der kaum ruhig war,
          Zum Schaukelkahn der süßen Torheit wieder,
          Erneust, verdoppeltst die Gefahr.

          Was suchst du mir dich zu verstecken!
          Sei offen, flieh nicht meinem Blick!
          Früh oder spät mußt’ ich’s entdecken,
          Und hier hast du dein Wort zurück.

          Was ich gesollt, hab’ ich vollendet;
          Durch mich sei dir von nun an nichts verwehrt;
          Allein, verzeih dem Freund, der sich nun von dir wendet
          Und still in sich zurücke kehrt.

                                                                       Johann Wolfgang von Goethe

          Am Teetisch

          Sie saßen und tranken am Teetisch,
          und sprachen von Liebe viel.
          Die Herren, die waren ästhetisch,
          die Damen von zartem Gefühl.

          "Die Liebe muss sein platonisch",
          der dürre Hofrat sprach.
          Die Hofrätin lächelt ironisch,
          und dennoch seufzet sie : "Ach!"

          Der Domherr öffnet den Mund weit:
          "Die Liebe sei nicht zu roh,
          sie schadet sonst der Gesundheit."
          Das Fräulein lispelt: "Wieso?"

          Die Gräfin spricht wehmütig:
          "Die Liebe ist eine Passion!"
          Und präsentieret gütig
          Die Tasse dem Herrn Baron.

          Am Tische war noch ein Plätzchen;
          Mein Liebchen, da hast Du gefehlt.
          Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
          von Deiner Liebe erzählt.

                                                            Heinrich Heine

          Die Schule

          Kinder! habt nur Lust zum Lernen;
          Seht, es fehlt euch nicht an Lehrern:
          Feuer, Wasser Luft und Erde,
          Alles kann euch unterrichten.

          Lernet denn und werdet klüger:
          Löwen lehren tapfer streiten;
          Adler, kühn und muthig fliegen;
          Biber lehren sicher bauen,
          Bienen suchen Süßigkeiten,
          Spinnen lehren fein zu spinnen;
          Aber ja vor allen Dingen
          Lernt von mir und meinem Mädchen
          Küsse geben, Küsse nehmen!
          Seht nur her: Wir halten Schule!

                                                   Johann Wilhelm Ludwig Gleim